Evangelische Kirchengemeinde Müncheberger Land
 


Obersdorf

Ursprung des Ortes Obersdorf 

Bis Anfang des 13. Jahrhunderts besiedelten Slawen, deren ursprüngliche Heimat im Inneren Russlands lag, die Ländereien östlich der Elbe. Die Mark war in Gaue unterteilt. Der Gau Lebus wurde nach der Festung „Lubus“ genannt. Im 12. Jahrhundert beginnend drangen die Deutschen immer weiter nach Osten vor und besiedelten das Land auch östlich der Oder.
1232 war der Barnim im Besitz deutscher Fürsten. Bereits 1225 ließ Heinrich I. einen Marktort gründen, welcher nach dem heimischen Kloster „Lubus“ genannt wurde. Durch die ansässigen deutschen Siedler wurde der Ort bald „Munichebere“ (Müncheberg) genannt und dieser Name setzte sich durch. 1233 wurde dieser Name erstmalig urkundlich erwähnt.

Heinrich I. ließ außerdem zwei Dörfer mit je 50 Hufen (1Hufe etwa 70 Morgen) anlegen. Das eine hieß „villa Oprechti“ (Obersdorf) und das zweite „villa Thomae“ (Dahmsdorf). Die Einsetzung der Siedler erfolgte durch die besitzenden Klöster, die diese Aufgabe häufig auf Ritter übertrugen. In Obersdorf scheint durch den Ritter Oprechti (Albrecht) diese Aufgabe wahrgenommen zu sein. Im späteren Geschichtsverlauf ist dort ein Rittersitz nachweisbar. 1225 könnte also als Gründungsjahr unseres Ortes gelten. Schriftlich, also urkundlich, begegnet uns der Ort jedoch erst 1253 als "villam Oprechti" (Dorf eines Albrecht). Aus heutiger Sicht meinen wir: „Was sind schon 28 Jahre Verzug?" (Lit.1).

Nachdem wir unseren Ursprung also geklärt hätten, öffnen wir symbolisch mit einer stilvollen Klinke den Blick  auf das Zentrum unseres Dorfes, auf unsere Kirche. Der Fisch dient in vielen Religionen als Symbol. Für uns ist er ein Symbol für Christus und ein Sinnbild für die Zugehörigkeit zur christlichen Gemeinde.



Unsere Petruskirche  steht auf einer Anhöhe inmitten eines Friedhofs, der von Findlingsmauern umgeben ist. Sie wurde in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet. Der Grundriss zeigt ein ziemlich quadratisches Langhaus und den eingezogenen Chor. Beide bestehen aus einem Granitquadermauerwerk. Über der Westfront wurde ein quadratischer Dachaufbau errichtet, der eine barocke achteckige Haube trug. Ursprünglich war an der Turmspitze eine Wetterfahne angebracht (Lit 1). 




         

Auf einer alten Postkarte ist die Kirche auch noch in dieser Form zu sehen. 


Im Inneren der Kirche stand ein Flügelaltar, der im Jahre 1601 geschaffen wurde und der sich in einen Mittelteil und zwei verschließbare Flügel gliederte. Der mittlere Teil des Altars war mit reichen Schnitzereien versehen und die Aussenseiten der Flügel waren bemalt. Neben dem geschlossenen linken Flügel war ein Bild des „Salvator mundi“ (Erlöser der Welt) mit Rankenmalerei und der Schrift „pax vobis“ (Friede sei mit euch!) angebracht und neben dem geschlossenen rechten Flügel ein Bildnis mit einer Engelsgestalt. Das Innere des Mittelteils war mit reichhaltigen Schnitzereien ausgestattet, die in zwei Etagen von unten gesehen die Auferstehung und die Himmelfahrt darstellten. Unterhalb des Altarmittelteils, d.h. unterhalb der Figurengruppe der Auferstehung (gleichsam im Sockel des Flügelaltars) war eine Figurengruppe, die das heilige Abendmahl darstellte und oberhalb des Altarmittelteils (gewissermaßen im Aufsatz), über der Darstellung der Himmelfahrt, war das jüngste Gericht wiedergegeben. Weitere Szenen mit geschnitzten Figuren, wie die der Verkündigung, der Erscheinung des Engels am Grabe des Auferstandenen, Maria und Johannes am Kreuz und die Grablegung sowie weitere sogenannte Rundfiguren vervollständigten den Altar (Lit.1).


Die Kirche selber wurde durch Kriegsereignisse stark zerstört und damit ist der größte Teil des Inventars für immer verloren. Ein Blick auf die Fotografie des Flügelaltars macht uns deutlich, wie unmenschlich und sinnlos Kriege schöpferisches Menschenwerk , das die Jahrhunderte miteinander verband, zunichtemachen. 

Die Orgel stammte aus den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Zwei Bronzeleuchter aus dem 16. Jahrhundert, eine Messingtaufschale (1649), ein Abendmahlskelch (1721) und eine Abendmahlskanne (1818) haben das Inferno des Krieges überstanden.
Auch die drei mittelalterlichen Glocken (65 cm, 70 cm und 90 cm Durchmesser) verlor die Kirche durch den Krieg, sie wurden zu Kriegsgerät eingeschmolzen.



Für die Obersdorfer, wie für alle Dorfbewohner in Brandenburg war die Schlacht um Berlin eine schwere Prüfung und mit Zerstörungen und Verlusten an Menschen verbunden. 

Viele Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten suchten und fanden Zuflucht in unseren Dörfern. Die ersten Monate und Jahre bleiben den Überlebenden des 2. Weltkriegs in deutlicher Erinnerung.

Langsam begann der Wiederaufbau. Im Oktober 1951 konnte die Gemeinde wieder über ein kleines Gemeindehaus verfügen, das ihr geschenkt wurde. Die junge Gemeinde führte zu Weihnachten erstmals nach dem Krieg wieder ein Krippenspiel auf.

Im September 1956 begann unter großen Anstrengungen und mit großem Engagement der Wiederaufbau der Obersdorfer Kirche.  Die Bilder des Aufbaus der Kirche machen deutlich, vor welchen großen Aufgaben die Bewohner Obersdorfs standen und wie groß die persönlichen Leistungen waren, um zu dem heutigen Stand zu gelangen. 

 

                            





Obersdorfer Waldbesit­zer spendeten Holz für den Wiederaufbau  des Gotteshauses und viele Obersdorfer beteiligten sich an den Arbeiten oder spendeten für den Aufbau. Obwohl es besonders für Jugendliche unter den damaligen politischen Bedingungen nicht immer einfach war, beteiligten sie sich tatkräftig.



Im April 1959 war es dann so weit und die Bauarbeiten konnten abgeschlossen werden.
Über dem Schiff erhebt sich der quadratische Turmaufsatz. Er ist verputzt und hat an den drei zugänglichen Seiten je eine hochrechteckige
Klangarkade. Daran schließt sich das mit Biberschwanz gedeckte Pyramidendach mit einem Kreuz an.

Bereits am ersten Februar 1959 konnte die Obersdorfer Petruskirche im Beisein von 450 Gläubigen wieder eingeweiht werden.
Die folgenden Bilder sollen nochmals einen Eindruck von der Inbesitznahme des wiedererrichteten Gotteshauses vermitteln.


        

  


         
 







 






              

  

Der Innenraum der Kirche ist neu gestaltet und bietet der Gemeinde eine würdevolle Stätte für ihren Dienst an Gott.                         



  



  






Das Mosaikfenster und die Wandmalereien zeigen die Geschichte vom verlorenen Sohn. 

Von der Glockengießerei Schilling und Lattermann aus Apolda rufen wieder zwei Hartgussglocken zum Gottesdienst. Die große trägt die Inschrift „Jesus vivat 1957“ und auf der kleinen steht „Lasset Euch versöhnen mit Gott 1957“.

Seit 1983 ist die Petruskirche wieder mit einer Orgel ausgestattet, die von der Jahnsfelder Kirche gekauft wurde.

Etwa alle 6 Wochen finden Gottesdienste statt.

Jeweils am 31. Oktober findet in Obersdorf der Gottesdienst zum Reformationstag (mit anschließender Kaffeetafel) für die gesamte Kirchengemeinde Müncheberger Land statt.

Konzerte von Chören (u.a. Kneipp-Sisters und Flötenchor Windspiel Buckow, Letschiner Mietzen, Posaunenchor Müncheberg) der Region fanden in den letzten Jahren statt.                     


                        

 


Im Obersdorfer Gemeinderaum wird seit vielen Jahren in den Monaten Januar und Februar der Weltgebetstagsgottesdienst für die Kirchengemeinde Müncheberger Land vorbereitet.    

Weitere Aktivitäten belegen die vielfältige Arbeit der aktiven Gemeindemitglieder Obersdorfs.

Wenn wir nun die Kirchentür mit der schönen Türklinke wieder schließen, so tun wir das in der Gewissheit, dass die Obersdorfer Kirche offen ist und bleibt für noch viele Anstrengungen und Erlebnisse der Gemeinde.